Können Jeans umweltfreundlich sein?

Paulina Kulczycki

Ah, die Blue Jeans. Kaum eine andere Hose hat einen derart ikonischen Ruf, wie die Blue Jeans. Doch so beliebt die Jeans auch sein mag, so schädlich ist sie auch für die Umwelt. Vom Anbau der Baumwolle, über Pestizide und Wasserverschwendung bis hin zu Grundwasserverschmutzung durch Chemikalien im Färbeprozess: Denim ist einer der größten Umweltsünder in unserem Kleiderschrank. Wir bei SANVT fragen uns jedoch: Können Jeans umweltfreundlich sein? Und wenn ja, welche Kriterien müssen garantiert sein? Finde heraus, ob nachhaltige Jeans utopisch oder realistisch sind.

Wenn du, so wie wir auch, zu der Sorte Mensch gehörst, der auf die Blue Jeans als Essential einfach nicht verzichten kann, du aber dennoch die Umwelt und das Klima als bewusster Konsument schonen möchtest, dann befindest du dich sicherlich in einer Zwickmühle. Denn wusstest du, dass die Jeans zu den Kleidungsstücken in deinem Kleiderschrank gehört, die mit Abstand den größten ökologischen Fußabdruck hat? Der Wasserverbrauch, Energieverbrauch und Einsatz von Chemikalien in der Denimindustrie ist mit kaum einem anderen Stoff der Mode vergleichbar.

Da wir bei SANVT die Mission haben, Mode nachhaltig und fair zu revolutionieren, fragen wir uns jedoch: Können Jeans umweltfreundlich sein, oder sind sie prinzipiell als Umweltsünder kategorisierbar? Sind nachhaltige Jeans überhaupt möglich, oder ein Paradebeispiel von Green Washing? Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir zunächst auf die Gründe eingehen, warum die Denimindustrie überhaupt zu den umweltschädlichsten in der Mode zählt. Und in dem Zusammenhang erkunden wir Möglichkeiten und Faktoren, die notwendig wären, um die beliebte Blue Jeans nachhaltiger, ethischer und klimaschonender zu gestalten.


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Wasserverbrauch

Einer der wohl wichtigsten Faktoren bei der Berechnung des ökologischen Fußabdrucks eines Modeprodukts ist der Wasserverbrauch. Und wenn du uns hier bei SANVT schon eine Weile folgst oder als bewusster Modekonsument informiert bist, dann weißt du sicherlich, dass die Herstellung von Baumwolle, aus der Denim hergestellt wird, immense Mengen an Wasser erfordert. Auch der Färbeprozess der Jeans erfordert viel Wasser und führt oft zur Verschmutzung von Gewässern durch Chemikalien. Dazu aber später mehr. Bleiben wir erst ein mal beim Wasserverbrauch der Baumwollproduktion: Ganze 12 Mrd. Kilo Baumwolle werden jährlich allein in China und Indien produziert. Dabei benötigt man für jedes Kilo herkömmlicher Baumwolle etwa 10.000 Liter Wasser (einige Quellen sagen sogar zwischen 11.000 und 23.000 Liter)! Unsere beliebten Jeans beanspruchen dabei ganze 35% der global produzierten Baumwolle und somit den größten Anteil von Baumwolle in der gesamten Textilindustrie. Und da Baumwolle von der Organic Trade Association (OTA) als die schmutzigste Ernte der Welt“ bezeichnet wird, stellt die Jeans eine große Belastung für unsere Umwelt dar.

Um eine Jeans mit einem deutlich geringeren Wasserverbrauch zu erhalten, empfehlen wir entweder eine Vintage Jeans, eine Jeans aus recyceltem Denim, oder aber eine Jeans aus Bio-Baumwolle. Bio-Baumwolle benötigt nämlich bis zu 91% weniger Wasser im Anbau, als herkömmliche Baumwolle!

Pestizide im Baumwollanbau

Der hohe Wasserverbrauch ist allerdings nicht der einzige umweltbelastende Faktor im Baumwollanbau. Da Baumwolle in Monokulturen wächst, ist sie besonders anfällig für Schädlinge, weshalb im konventionellen Anbau umweltschädliche Pestizide zum Einsatz kommen. Der hohe Einsatz von Insektiziden und chemischen Pflanzenschutzmitteln ist nicht nur schädlich für die Baumwollfarmer, sondern führt letztlich auch dazu, dass Bienen und andere Insektenarten sterben und ihr Lebensraum immer knapper wird. Ganz zu Schweigen davon, dass das intensive Bewirtschaften durch Monokulturen die Böden nach nur kurzer Zeit strapaziert und unfruchtbar macht. 

Auch hier empfiehlt sich der Gebrauch von Bio-Baumwolle, da der Anbau von zertifizierter GOTS Bio-Baumwolle frei von gentechnisch verändertem Saatgut ist, auf schonenden Anbau durch Anwendung der Fruchtfolge setzt und Schädlingsbekämpfung auf natürlicher Basis praktiziert. Eine Jeans aus Bio-Baumwolle, verbraucht also nicht nur 91% weniger Wasser im Anbau, sondern ist auch schonender und regenerativer für die Böden und die Umwelt.

Alle weiteren Vorteile von Bio-Baumwolle findest du hier

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Unethische Produktionsweisen

Während herkömmliche Baumwolle in rund 80 Ländern weltweit angebaut wird, findet man den Anbau von Bio-Baumwolle in nur 18 Ländern. Die seltene Bio-Baumwolle stammt dabei meist von Kleinbauern, wobei der Großteil der konventionellen Baumwolle in größeren Produktionen vor allem dort angebaut wird, wo die Arbeitskräfte am günstigsten sind. Die Konsequenz? Unfaire und unreglementierte Arbeitsbedingungen. Und obwohl in den USA viele Baumwollplantagen mittlerweile maschinell geerntet werden, wird in der Regel immer noch von Hand geerntet, da dadurch eine bessere Qualität der Baumwolle gewährleistet wird. Nichtsdestotrotz werden die meisten Baumwollfarmer nicht nur unterbezahlt, sondern sind gesundheitlich auch den Pestiziden und Chemikalien der Plantage ausgesetzt. 

Um eine Jeans nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch ethischer zu gestalten, sollte die Bio-Baumwolle also fair sein. Noch wichtiger als Fairtrade-Siegel und Bio-Zertifizierungen, ist allerdings die Transparenz der Marke selbst. Achte also auf Marken, die ihre Herstellung transparent dokumentieren – und das, entlang der gesamten Produktionskette.

Energieverbrauch & CO2-Emissionen

Und wenn wir schon von Transparenz sprechen, dann sollte auch der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen transparent dokumentiert werden. Denn die Jeansproduktion erfordert eine Menge Energie für die Verarbeitung der Baumwolle, die Herstellung von Garnen und Stoffen, das Färben, sowie für den Transport und die Lagerung von Rohstoffen und fertigen Jeans. Die Verwendung fossiler Brennstoffe zur Energieerzeugung in der Fast Fashion Industrie führt zur Freisetzung von Treibhausgasen, die wiederum zum Klimawandel beitragen.

Um den Kreislauf zu unterbrechen und die Umweltbelastung der Jeans zu senken, sollten wir unsere Jeans von kleinen Marken beziehen, die sich bemühen energieeffizient zu arbeiten, Transportwege zu verkürzen und die CO2-Emissionen zu verringern. Produktionsbedingte Emissionen sollten von der Marke idealerweise kompensiert werden, um ein klimaneutrales Produkt zu erhalten. Denn seien wir mal ehrlich: Kein Produkt ist wirklich klimaneutral und umweltfreundlich. Jede industrielle Produktion hat Auswirkungen auf die Umwelt. Das Mindeste, was wir tun können, ist darauf zu achten, dass der ökologische Fußabdruck des Produkts so gering wie möglich gehalten wird, und im Anschluss durch Wiederaufforstungsprojekte kompensiert wird.

Färbeprozess

Um die kultige tiefenblaue Farbe der Jeans zu erhalten, muss der Indigo Farbstoff zunächst wasserlöslich gemacht werden. Und das geht nur mit toxischen Chemikalien und Schwermetallen, wie Quecksilber, Cadmium, Blei und Kupfer. Die Chemikalien und Schwermetalle gelangen durch das Abwasser in die Flüsse und Meere und belasten zuletzt Grundwasser und Grundböden. Oftmals wird die Blue Jeans nach dem Färben weiter verarbeitet – ob durch Steinwaschung, Bleichen, oder Schleifung. Auch hier kommen weitere Chemikalien, wie Kaliumpermanganat zum Einsatz.

Kurz gesagt: Blue Jeans sind eine ganz schön toxische Angelegenheit. Um eine umweltschonendere Jeans zu erhalten, muss ein Färbeverfahren ohne Chemikalien und Schwermetalle eingesetzt werden und mit einem geschlossenen Wasserkreislauf gearbeitet werden, damit das Wasser nach dem Färbeprozess recycelt wird, statt es zurück ins Abwasser zu entlassen. 

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So senkst du die Umweltbelastung deiner Jeans

Während 80% der Emissionen in der Produktion von Kleidung entstehen, fallen weitere 20% des ökologischen Fußabdrucks erst nach dem Kauf an. Wir sind also zu einem Fünftel für die Umweltbelastung unserer Kleidung verantwortlich – auch der Jeans. Durch richtige Pflege, selteneres Waschen und Reparaturen kleiner Schäden können wir dazu beitragen, dass die Lebensdauer unserer Jeans verlängert wird. Es geht also nicht nur darum die richtige nachhaltige und faire Jeans zu finden, sondern auch darum wie du die Jeans zu pflegen weißt.

Tipps für nachhaltige Kleiderpflege findest du hier, sowie in unserem Care-Guide.

Die Perfekte Jeans von SANVT - Saubere und nachhaltiges Denim möglich gemacht

Denim gehört zu den umweltschädlichsten Modeartikeln, und wir setzen uns für eine positive Veränderung ein. Das bedeutet, dass unsere Jeans aus recycelter Baumwolle hergestellt werden, die mit biologischen Blue-Seed-Fasern verstärkt werden kann. Dies trägt zur Langlebigkeit der Baumwolle bei und macht das Endprodukt nicht nur nachhaltiger, sondern auch qualitativ hochwertiger.

Färbemethoden ohne Chemikalien

Auch bei der Denim-Veredelung haben wir uns für die umweltfreundlichsten Methoden entschieden: Zum einen verwenden wir ausschließlich natürliche Farbstoffe, die auf pflanzlicher oder mineralischer Basis auf die Textilien aufgetragen werden. Durch diese Methode werden alle gefährlichen Chemikalien aus unserer Lieferkette eliminiert, da natürliche Farbstoffe weder Luft, Wasser und Boden verunreinigen noch die Umwelt und die Tierwelt schädigen.

Gefertigt aus hochwertigem italienischem 13,5 oz-Denim - Die Perfekte Jeans von SANVT.

Engagement für Null-Abfall

Durch unseren innovativen Produktionsprozess stellen wir sicher, dass die Auswirkungen auf unseren Planeten minimal sind. Um unserer Verpflichtung zu abfallfreien und chemiefreien Prozessen nachzukommen, werden alle Knöpfe und Nieten aus 100 % recyceltem Metall hergestellt. Mit der klassischen Knopfleiste anstelle eines Reißverschlusses ehren wir auch den traditionellen Denim.

Wasserrecycling

Viele Prozesse in der Modeindustrie, wie zum Beispiel das Färben, verbrauchen große Mengen an Wasser. Unsere Fabriken, darunter auch unser Partner in der Denim-Wäscherei, haben sich verpflichtet, die bei der Produktion anfallende Abfallmenge zu reduzieren und alle Anstrengungen zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Abfall wiederverwendet, recycelt oder zurückgewonnen wird. Dazu gehört auch die Wiederverwendung von Wasser und der Aufbau einer kreislauforientierten Wasserwirtschaft. Ihr Engagement für eine kreislauforientierte Wassernutzung zeigt sich in der Einführung des innovativen "Eco Wash"-Produktionsprozesses im Jahr 2017. Durch dieses neue Verfahren konnte der Wasserverbrauch um 75 % gesenkt werden.

Können Jeans umweltfreundlich sein: Utopie oder Realität?

Unser Fazit? Eine Jeans, auch wenn sie als Umweltsünder bekannt ist, kann unter den richtigen Umständen durchaus umweltfreundlich sein. Solange du darauf achtest eine hochqualitative Jeans aus Bio-Baumwolle und fairer Produktion von einer transparenten Marke zu beziehen und sicherstellst, dass sie ohne toxische Chemikalien und Schwermetalle in geschlossenen Wasserkreisläufen gefärbt wurde, brauchst du selbst als Slow Fashion Enthusiast kein schlechtes Gewissen haben. Und wenn du deine Premium-Jeans im Anschluss auch noch nachhaltig pflegst und somit ihre Lebensdauer verlängerst, wird die Jeans zu einem nachhaltigen Produkt mit einer Ökobilanz, die sich sehen lässt. Also gute News für alle umweltbewussten Konsumenten, die bislang nicht auf die Blue Jeans verzichten konnten. Manchmal kann man eben alles haben.

Downloade die Infografik als PDF.