SANVT PORTRAITS NO.03

David Hornung

Bestimmt ist dir beim Schlendern durch die Straßen der Münchner Innenstadt schon einmal der lässige Tune von Riviera Records entgegengekommen. Im Rosental 16 kannst du in ein Paradies für Musikliebhaber eintauchen, das du am liebsten nie wieder verlassen wirst. Die Gründer David Hornung und Andi Müller heißen dich hier herzlich willkommen.


Photography by Manuel Schüller

 

Magst du uns ein wenig über deine Anfänge in der Musikszene erzählen? Woher kommst du und was waren deine größten musikalischen Einflüsse, als du aufgewachsen bist?  

 

Ich bin in einer sehr ländlichen Gegend aufgewachsen, in der Rhön in Unterfranken, mitten im Nirgendwo, um ehrlich zu sein. Meine ersten Partys habe ich schon in jungen Jahren besucht. Ich hatte das große Glück, dass damals schon elektronische Musik gespielt wurde – vor allem klassischer Deep House. Das Ganze hatte schon damals einen Underground-Charakter, da die Veranstaltungen meist in verlassenen Gebäuden oder Scheunen stattfanden und hauptsächlich Vinyl gespielt wurde. Das hat mich damals sehr inspiriert. Und da das Angebot auf dem Land nicht so groß war, wie in den Großstädten, habe ich recht früh angefangen, selber mit meinen Freunden ähnliche nicht-kommerzielle Veranstaltungen zu organisieren.

 

Dein renommierter Schallplattenladen Riviera Records ist in München zu einem beliebten Treffpunkt für Musikliebhaber geworden. Wie kam es zu der Entscheidung, den Laden zu eröffnen, und was ist das Konzept von Riviera Records?  

 

An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Andi zu danken, ohne den das Projekt wahrscheinlich nie zustande gekommen wäre. Die Idee, einen Plattenladen zu eröffnen, hatte ich schon lange im Kopf. Es fehlte mir aber immer die letzte Entschlossenheit, diese Idee in die Tat umzusetzen. Als ich dann mit Andi darüber sprach, ging alles plötzlich ganz schnell und wir beschlossen, es einfach durchzuziehen! Unser Konzept war es, einen Ort zu schaffen, an dem jeder willkommen ist – der freundliche Plattenladen an der Ecke, sozusagen. Wir haben die Idee in Italien ausgearbeitet und fanden daher den Namen sehr passend. Ich meine, wer fühlt sich an der Riviera nicht zu Hause? Dieses Lebensgefühl spiegelt sich auch in unserem Laden wider.

 

Die Eröffnung von Riviera Records im Jahr 2020, inmitten einer weltweiten Pandemie, war, gelinde gesagt, unkonventionell. In einem Interview erwähnst du jedoch, dass dies überraschenderweise der beste Zeitpunkt für die Eröffnung eines physischen Plattenladens war. Kannst du uns erklären, warum dieser Zeitraum trotz der Herausforderungen der Pandemie optimal war?  

 

Riviera Records startete zunächst als Pop-up im November 2020 im Dreimühlenviertel in München, mitten in der Pandemie mit Lockdown-Maßnahmen, begrenzten Besucherzahlen für die Läden und dergleichen. Der denkbar schlechteste Zeitpunkt, könnte man meinen. Aber wir sahen es genau andersrum. Wir sehnten uns nach den mangelnden Möglichkeiten, sich in der echten Welt zu treffen, Musik zu teilen, aber auch einfach zu reden und neue Leute kennenzulernen. Das war trotz der Einschränkungen möglich. Wir haben viele tolle Menschen kennengelernt, die uns unsere Vision bestätigt haben. Deshalb haben wir beschlossen, weiterzumachen und sind im Rosental 16 in München gelandet. Mittlerweile führe ich den Laden mit Max und Jonas und einem wunderbaren Team und wir sehen, wie der Laden kontinuierlich wächst – das ist die beste Motivation für uns alle.  

 

Das Wiederaufleben der Vinyl-Schallplatten ist unbestreitbar: Berichten zufolge haben sie zum ersten Mal seit 1987 die CDs überholt. Als DJ, der sowohl mit digitalen als auch mit analogen Formaten experimentiert hat, was glaubst du, warum sich die Menschen immer noch zu der haptischen und physischen Erfahrung von Vinyl-Schallplatten hingezogen fühlen? Selbst in einem digitalen Zeitalter, in dem Bequemlichkeit und Geschwindigkeit Priorität haben.  

 

Zunächst einmal finde ich es großartig, dass die digitalen Formate elektronische Musik demokratisiert und leichter zugänglich gemacht haben. Wenn es jedoch ums Auflegen geht, gehöre ich definitiv zur Vinyl-Fraktion. Für mich persönlich gibt es dafür mehrere Gründe. Zunächst einmal ist Vinyl viel greifbarer und ich kann damit viel intuitiver arbeiten. Außerdem ist digitale Musik ein bisschen inflationär geworden. Man kann so leicht Tausende von Titeln auf einem USB-Stick mitnehmen. Mit einem Plattenkoffer hat man vielleicht 60 Platten dabei. Das bereitet mich auch ganz anders auf den Abend vor. Der wichtigste Punkt für mich ist jedoch der Spaßfaktor. Ich persönlich vermisse die Herausforderung beim digitalen Mixen. Aber generell würde ich sagen, dass es auch persönlicher ist, eine Schallplatte zu kaufen und sie dann ins Regal zu stellen, als sich einfach einen Track herunterzuladen.

 

In einer Branche, in der das persönliche Branding oft im Vordergrund steht, ziehst du einen eher unauffälligen Auftritt vor. Wie bewahrst du die Authentizität deiner Musik und deines Auftritts, ohne dem Druck der Selbstvermarktung zu erliegen?

 

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich oft mit mir selbst im Zwiespalt bin. Die beste Werbung für sich selbst ist eigentlich, wenn man andere durch seine Performance überzeugt und nicht durch einen Post auf Social Media, der vom Algorithmus belohnt wird. Aber so ist es nun mal heutzutage und da muss man eben auch mitmachen. Trotzdem ist mein Motto hier „weniger ist mehr“.  

 

Wir lieben die Playlist, die du für uns zusammengestellt hast. Sie hat uns unglaublich inspiriert, neue Musik zu entdecken. Wie findest du heutzutage neue Musik? Und wen hörst du derzeit am liebsten?  

 

Bei Riviera Records bin ich natürlich immer auf der Suche nach neuen Veröffentlichungen. So erfahre ich immer, was es neues auf dem Markt gibt. Ansonsten stöbere ich gerne auf Discogs nach neuen, unentdeckten Schätzen. Das hängt aber immer von meiner Stimmung ab. Zum einen suche ich nach Musik, die wirklich für Clubs oder Partys gemacht ist, zum anderen höre ich eher sehr entspannte oder experimentelle Produktionen.

 

"Unser Konzept war es, einen Ort zu schaffen, an dem jeder willkommen ist – der freundliche Plattenladen an der Ecke, sozusagen. Wir haben die Idee in Italien ausgearbeitet und fanden daher den Namen sehr passend. Ich meine, wer fühlt sich an der Riviera nicht zu Hause?"

Playlist for Sanvt

Curated by David

SANVT PLAYLIST